5 typische Fehler in der Kommunikation mit Kindern

Oder: Wie Sie zu viel Druck in der Erziehung vermeiden

Als Texter und Marketeers sind wir Kommunikationsexperten. Leider setzen wir unser Wissen oft nicht in die Praxis um, wo es am meisten darauf ankäme. Die Kommunikation mit Kindern ist dafür ein Beispiel.

Die Kindheit ist eine wundervolle und wichtige Lebensphase. Kinder sind wie kleine Forscher, die mit großen Augen die Welt erkunden und dabei sich selbst kennenlernen. Dass sie ihrer Neugier aktiv nachgehen können, ist wichtig für ihre Lebensfreude, ihre Intelligenz, ihre Motorik und ihre ganze weitere Entwicklung.

Es bleibt nicht aus, dass sie bei dem einen oder anderen Forschungsprojekt auf Ideen kommen, die wir als Erwachsene nicht so gut finden. Wie gehen wir damit um? Wie können wir für die Sicherheit unserer Kinder sorgen, ohne sie überall auf Verbote stoßen zu lassen, die sie nicht verstehen?

Nur wer gut mit Kindern umgehen und kommunizieren kann, besitzt die emotionale Intelligenz, die ihn wirklich zum Kommunikationsexperten macht. Sie ist die wichtigste Grundlage der Kommunikationskunst bis in die hohe Diplomatie hinein. Wenn Sie folgende 5 Fehler vermeiden, verwandeln Sie Spannungen in Chancen – in der Familie und auch im Beruf.

Fehler 1: Zu viel „Nein“
Fehler 2: Zu viel „Du sollst“
Fehler 3: Zu viel „Du musst“
Fehler 4: Keinen Widerspruch dulden
Fehler 5: Die Dominanzbalance

Fehler 1: Zu viel „Nein“

Mit großer Energie erforschen Kinder ihre Welt. Was für sie ein riesiger Abenteuerspielplatz ist, erscheint für Eltern oft als gefährliche Baustelle, auf der die Kleinen ohne Helm und Sachverstand herumtollen. Wir Erwachsenen leben innerhalb eines dichten Geflechts von Regeln, von denen die Kinder noch nichts ahnen. Kein Wunder also, dass sie ständig aus der Reihe tanzen. Im schlimmsten Fall bringen sie sich dabei sogar in Gefahr.

Die naheliegende Reaktion ist, sie einfach mit einem „Nein“ zu stoppen. So lernen sie, dass etwas verboten ist, und das ist ja auch gut so. Oder?

Ohne Verbote geht es natürlich nicht. Kinder sind auf ihre Eltern und andere Erwachsene angewiesen, während sie allmählich die Welt verstehen und lernen, sich kompetent darin zu bewegen. Regeln und Tabus gehören dazu.

Das Problem mit dem „Nein“ wird aber klar, wenn man sich in die Perspektive eines Kindes versetzt. Es folgt seiner Neugier und seinem Spieltrieb und hätte am liebsten, dass alle mitspielen. Nun aber stellen seine wichtigsten Bezugspersonen ihm ständig unsichtbare Mauern in den Weg, indem sie „Nein“ sagen.

Weil das Kind die meisten Verbote und Regeln noch nicht versteht, bleibt ihm nichts anderes übrig, als das „Nein“ auf sich zu beziehen: Ich habe schon wieder etwas falsch gemacht. So versperren Sie dem Kind immer weitere Teile des Abenteuerspielplatzes und verunsichern es in seinen Bedürfnissen. Immer öfter erscheinen ihm seine Neugier und sein Spieltrieb dann falsch, obwohl sie eigentlich gut, gesund und wichtig sind.

Gehen Sie mit dem direkten „Nein“ also sparsam um. Einige gute Möglichkeiten, ein Kind auch ohne „Nein“ zu erziehen und zu schützen:

  • Suchen Sie mit Ihrem Kind Orte auf, wo es sich austoben kann, und gestalten Sie Ihre Wohnung möglichst kindersicher. Verstauen Sie „verbotene“ Gegenstände so, dass Ihr Kind sie am besten gar nicht sieht. Viele „Neins“ sind dann gar nicht erst nötig.
  • Setzen Sie je nach Alter auch auf Verstehen und Wissen statt nur auf Autorität. Wie viel Ihr Kind schon versteht, können Sie selbst am besten einschätzen. Es ist zum Beispiel schon früh möglich, ihm begreiflich zu machen, dass die Herdplatte heiß Von ihren Erfahrungen mit dem Essen und Trinken wissen Kinder, was „heiß“ bedeutet. Wenn ein Kind verstanden hat, dass es sich an der Herdplatte verbrennen könnte, will es sie gar nicht mehr anfassen. Außerdem hat es dann etwas über die Welt gelernt. Ein bloßes „Nein“ ist dagegen nur frustrierend.
  • Eröffnen Sie Alternativen! Wenn Ihr Kind einen Gegenstand gefunden hat, mit dem es nicht spielen soll, bieten Sie ihm etwas anderes zum Spielen an. Wenn es am Regal hochklettern will, versprechen Sie einen baldigen Besuch auf dem Spielplatz, wo das Klettern viel mehr Spaß macht. Mit einem „Nein“ wird die Welt des Kindes jedes Mal kleiner. Wenn Sie Alternativen anbieten, passiert das nicht. Sie erteilen den Bedürfnissen des Kindes keine Absage, sondern lenken sie nur sanft in andere Bahnen.

Fehler 2: Zu viel „du sollst“

Anweisungen der Kategorie „du sollst“ haben große Ähnlichkeit mit dem „Nein“. Hier geht es um Gebote statt Verbote, aber sonst ist das Problem das gleiche. Sie setzen das Kind unter Druck, etwas zu tun, was im Moment nicht seinem Bedürfnis entspricht. Das ist verwirrend und frustrierend, und weil die kindlichen Bedürfnisse stark sind, erzeugt es Gegendruck.

Arbeiten Sie auch hier besser mit einfühlsamer Führung als mit starren Kommandos und Regeln. Finden Sie Kompromisse. Vielleicht kann Ihr Kind seine Hausaufgaben genauso gut eine Stunde später machen, nachdem es sich ausgetobt hat. Statt „du sollst jetzt ins Bett gehen“ sagen Sie: „Komm, jetzt gehen wir ins Bett und ich lese dir eine schöne Geschichte vor, dann bist du morgen im Kindergarten nicht wieder müde.“

Bei den meisten erzieherischen Vorgaben geht es ja tatsächlich um die Bedürfnisse und Interessen des Kindes. Wenn Sie das mehr in den Vordergrund stellen, ziehen Sie mit dem Kind an einem Strang und vermeiden die Dynamik von Druck und Gegendruck.

Fehler 3: Zu viel „du musst“

Das „du musst“ ist eine schärfere Version des „du sollst“. Ihre Vorgabe wird dem Kind einfach als unpersönlicher Zwang präsentiert, der keine Alternativen, keinen Verhandlungsspielraum und keine Gestaltungsfreiheit lässt. Sie bauen unsichtbare Mauern und Druck auf, Ihr Kind kontert mit Gegendruck.

Folgen Sie obigen Empfehlungen, um das zu vermeiden. Führen Sie, ohne die kindlichen Bedürfnisse zu übergehen, und lassen Sie Ihrem Kind die Bewegungsfreiheit, die es braucht.

Fehler 4: Keinen Widerspruch dulden

Manche Eltern scheinen davon auszugehen, dass Kinder passive Empfänger ihrer Regeln und Anweisungen zu sein hätten. Dahinter kann zum Beispiel eine Angst stecken, die Kontrolle zu verlieren, wenn sie ihren Willen dem Kind gegenüber nicht durchsetzen.

Diese Eltern haben Recht damit, dass man nicht jede Regel und Entscheidung gleich wieder aufgeben kann, sobald das Kind nicht mitspielt. Kinder brauchen eine klare Orientierung und die müssen vor allem ihre Eltern ihnen auch bieten.

Das heißt aber nicht, dass ein Kind nicht widersprechen darf. Im Grunde genommen ist der Widerspruch Ihres Kindes eine Hilfestellung für Sie, weil Sie dadurch seine Bedürfnisse erfahren. Nehmen Sie diese Hilfestellung an und kommen Sie Ihrem Kind ein Stück entgegen, wenn sich dafür ein Spielraum bietet.

Denke ich hier an meine Tochter, so freue ich mich über eine sachliche, intelligente und dabei widersprechende Argumentation. Ich erfahre, was meine Tochter wirklich will.

Fehler 5: Die Dominanzbalance

Bei den Fehlern 1 bis 4 ist es schon angeklungen: Ein Kind ist eine Person und lässt sich nicht einseitig von Ihnen steuern. Wir müssen alle gelegentlich zurückstecken und verzichten, aber im Großen und Ganzen können wir nur im Einklang mit unseren Bedürfnissen erfolgreich und gesund leben.

Das gilt auch für Ihr Kind. Das Leben Ihres Kindes gestalten nicht Sie allein, sondern Ihr Kind und Sie in der Kommunikation miteinander. Sie beide stellen Ansprüche an Ihr Zusammenleben, und die Ansprüche Ihres Kindes sind ebenso berechtigt wie Ihre, auch wenn sich nicht alle erfüllen lassen. Ihr Kind gestaltet sein Leben aktiv selbst, ob Sie wollen oder nicht. Unterstützen und fördern Sie es dabei. Verwandeln Sie Spannungen und Widerspruch in neue Optionen und Perspektiven. Wenn Sie das beherrschen, wird der Umgang mit „schwierigen Erwachsenen“ zum Kinderspiel.

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2017
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